Zenkonyama

Zenkonyama – der kleine „Bergtempel" des Dojo Basel

Zazen und Samu praktizieren, eins mit der Natur sein und das manchmal sogar mit Alpenblick. Dies können wir im Basler Dojo seit fast 10 Jahren. Dabei achten wir auf eine ökologische Bewirtschaftung des Gartenteils und eine Aufwertung und Pflege der natürlichen Biodiversität des Tempelgebietes.

Abendstimmung im Zenkonyama Winter 2010Warum wie Buddha Shakyamuni in der wilden Natur praktizieren? Diese Frage stellt sich jeder Städter, aber auch viele, die schon mal draussen unter freiem Himmel Zazen praktiziert haben.

Denn gemütlicher und stiller ist es im geschützten Dojo (wenn nicht gerade jemand einen Hustenanfall hat). Mäuse huschen vorbei oder rascheln im Laub, Vögel singen und fliegen vorbei, die Libelle steht plötzlich, wie ein kleiner Helikopter auf Augenhöhe und schaut mal genau hin, ob der Blick auch gesenkt bleibt. Und dann sind da noch die vielen Insekten, die krabbeln und summen und zu guter Letzt existiert natürlich noch die Spezies homo sapiens vor Ort, die mittels ihrer hochentwickelten Maschinen, wie z.B. einer Kettensäge, ihren Teil zum hohen Geräuschpegel der Natur beiträgt.

Warum also genau da, wo es so ungemütlich ist, praktizieren?

Weil die Natur unsere Heimat war und ist, bevor wir uns mithilfe moderner Techniken abgeschottet haben. Weil es eigentlich keine Störungen gibt, wenn man Zazen praktiziert. Es ist immer nur der Geist, der anfängt Störungen zu kreieren und sich vor so kleinen Wesen wie Mücken, Ameisen zu ängstigen oder nerven beginnt. Vergassen wir, dass Buddha Shakyamuni unter einem Baum im indischen Dschungel (Terai) Erleuchtung erlangte? Wer schon einmal im indischen Terai war, weiss, dass dort noch ganz andere Lärm- und Störquellen, wie Affen und Schlangen vorhanden sind. Und genau dort erweckte sich Buddha Shakyamuni.

Weil nach einer Zeit, es auch hier draussen ruhig wird und der Geist weit wie der Horizont wird. Weil der Blick in die Weite, in die Rheinebene, zum Jura und manchmal zum Berner Oberland wunderschön ist (natürlich nicht während des Zazen :-))

Weil wenn wir ruhig und eins werden mit der Natur, unserer wahre Heimat fühlen. Und nicht nur wir, sondern auch die Tiere. Sie verlieren mit jeder Minute Zazen ihre scheu, da kann es passieren, dass eine Maus über die Beine springt, eine Eidechse am Kimono vorbeihuscht (Gottseidank noch nie darunter) und Vögel zum Zuschauen kommen. Nun ist die Trennung zwischen Natur und Mensch, die wir selbst erschufen, kurzfristig aufgehoben.

Genau deshalb sollten wir draussen praktizieren wie einst Buddha, leider gibt es das Aussendojo auf der Gendro auch nicht mehr. Da praktizierten bis zu 400 Menschen in Einheit mit der Natur unter alten Eichen, dem heiligsten und machtvollsten Baum der Kelten.

Aber aus diesen Gründen entschlossen wir uns dieses wunderschöne Fleckchen Erde, das offiziell „Zum Alpenblick" genannt wurde, zum kleinen Bergdojo umzugestalten. Es liegt im Markgräflerland auf 500m Höhe gelegen auf einer Kalk-Bruchscholle des Südschwarzwald gelegen. Fast zuoberst auf einem der Hügel anch Süden exponiert.

Ich bekam 2000 die Gelegenheit dieses Stück Land, insgesamt 1ha zu erwerben. Es war seit 30 Jahren nicht mehr bewirtschaftet gewesen und dementsprechend verwildert, v.a. mit Brombeeren zugewuchert. Aus diesem Grund wollte keiner der Anlieger, die eigentlich Vorverkaufsrechte hatten, das Land mit der wunderschönen Aussicht kaufen. Es dauerte dann auch mehrere Jahre bis das, was ehemals eine Wiese war, wieder eine wurde. Dahinter kam ein alter Baumbestand, wie man ihn heute selten findet zum Vorschein. Nachdem Bau einer Terrasse fand 2002 der erste Zazennachmittag unter einer alten Eiche statt. 2008 schenkte ich das Land dem Dojo Basel und der Bergtempel Zenkonyama – Berg der guten Wurzeln (nicht nur wegen der vielen Brombeerwurzeln so genannt)– wurde gegründet.

Bei der Bewirtschaftung des Landes versuchen wir der Natur grössten Respekt zu erweisen. Natürlich zerstörten am Anfang grosse Teile, aber um das Land aufzuwerten. So grub ich Wurzeln der gefällten Bäume aus und legte dort zwei Feuchtbiotope an, in denen nun Bergmolche, viele seltene Libellen, wie Prachtlibelle, Mosaikjungfrau, und Adonislibelle, und andere Insekten leben, auch eine kleine Ringelnatter verirrte sich schon einmal hierher und im Frühjahr die Amphibien.

Das Land gehört zu einer grossen Streuobstwiese, nirgendwo in Mitteleuropa ist die Biodiversität höher als auf einer solchen. Unzählbare Tierarten und Pflanzen leben hier in einzigartiger Symbiose. So pflanzte ich natürlich auch noch diverse Obstbäume. Die vielen Vögel hier erfreuen das Auge und die Ohren, v.a. Grün- und Grauspechte, Kuckkuck und Pirol hört man im Frühsommer.

Hinzukommt noch der alte Baumbestand im oberen Teil des Tempels, der v.a. aus alten Eichen und Buchen, sowie Eschen besteht. Hier lebt der seltene Schwarzspecht und der grösste Käfer Mitteleuropas, der Hirschkäfer und natürlich viele mehr. Es ist mittlerweile das einzige Gebiet im grossen Umkreis mit altem Baumbestand. Denn sonst regiert die moderne Forstwirtschaft, die Bäume ungern älter als 50-80 Jahre werden lässt. Sogar auf der Gendro wird der Forst mittlerweile so bewirtschaftet, was ich sehr bedauere, denn gerade in einem Zentempel sollte die Ökonomie nicht im Vordergrund stehen. Aber zu spät, alte Bäume gibt es nur noch im Parkbereich der Gendronniere.

Auch wenn einmal ein alte Buche einfach so umfällt, wie diesen Sommer, oder ein grosser Ast fast mal eine Müssiggängerin im Zengarten erschlagen hätte, halten wir am Konzept des Biotopschutz für alte Bäume und deren Tieren fest.

Der nach Süden exponierte Hang auf Hauptrogenstein, einem alten Korallenriff, bietet für Pflanzen extreme Bedingungen. Bei extensiver Bewirtschaftung kann sich so ein Halbtrockenrasen ausbilden. Königin eines jeden Trockenrasens sind die Orchideen, so konnten wir 2008 den sehr seltenen Bienenragwurz bewundern, s.Foto, in den schattigeren Lagen kommt das Zweiblatt, der Ständelwurz und das Waldvögelein vor.

zenkyonama2Durch Aussaat von hierhin gehörenden Pflanzensamen können wir nun viele neue Pflanzenarten begrüssen, die ihre Bestäuber die Schmetterlinge u.a. Insekten anlocken. So wimmelt der Garten im Frühsommer voll Schmetterlingen: Schachbrettfalter, Schwalbenschwanz, Distelfalter, etc.. auch baute ich Nistplätze für Wildbienen.

Der Boden und die nach Süden exponierte Lage bieten sich für den Anbau von mediterranen Kräutern an. So bauen wir für den Dojobetrieb und für unsere Boutique: Rosmarin, Thymian, Verveine, Lavendel, Zitronenmelisse, Majoran, Salbei und Pfefferminze an. Andere Heilkräuter wie Karde, Schafgarbe, Johanniskraut und viele mehr wachsen wild. Auch diese versuchen wir für das Dojo zu verarbeiten.

Schwerer ist der Anbau von Gemüse, da wie o.g. extreme Bedingungen herrschen. Der Boden ist tonig – s.g. Minutenboden: Wenn er nass ist, ist er schwer und schmierig, gibt das Wasser schwer her; wenn es trocken ist, wie dieses Frühjahr, gibt es armbreite Risse und der Boden wird zu Beton. Viele gesetzte Pflanzen überlebten dies nicht, da wir nur begrenzt über Wasser verfügen.

Als resistent hat sich die Kartoffel erwiesen, daneben noch Kürbis, Bohne und Zucchini, wenn die Setzzeit gut ausgesucht wurde. Brombeeren, Himbeeren und Johannisbeeren wachsen gut. Dieses Jahr gab es auch zum ersten Mal einen Ertrag an Kirschen und Äpfeln.

Immer wieder gibt und gab es natürlich auch Rückschläge, so zog 2006 ein kleiner Tornado genau über das Gebiet und hinterliess eine Schneise der Verwüstung, ein Jahr zuvor war es ein Hagelschlag. Kulturpflanzen gab es dann natürlich nicht zu ernten, den anderen Pflanzen machen solche Rückschläge nicht viel aus und sie blühen dann einfach einen Monat später noch einmal. Sogar die Kartoffel kam noch einmal und wir konnten ernten. Ein anderes Mal zog eine Schafherde im Frühjahr vorbei und frass grosse Teile der im Herbst frischgepflanzten Hecke und Stauden, ein Zaun soll sie nun fernhalten.

Nun soll eben dieser Zaun weg und ebenso unsere kleine Hütte. Jemand hat uns angezeigt. Nicht jedem ist diese Oase der Natur und des einfach Seins so willkommen und heilig, wie den Personen, die auf unseren Aussenaltar mit Buddhastatue Geld, Blumen, Schneckenhäuser und sonstiges hinlegen. Einigen ist dieser merkwürdiger Ort mit Buddhastatuen und Stupa im deutschen Zentrum der christlichen Freikirchen suspekt. So brannte die erste Hütte 2007 aus ungeklärten Gründen ab und nun will uns das Landratsamt die Hütte abreissen, da nach 2006 errichtete Hütten nun neuerdings wegmüssten. Die mittlerweile schon 1800 Euro Anwaltskosten reissen natürlich ein Loch in unsere Dojokasse. Und viele Mitglieder, die nicht so begeisterte Freiluftsitzer sind, fragen sich ob sich der finanzielle Aufwand noch lohnt.

Doch auch mit diesen und vielleicht gerade wegen der Rückschläge wird es weiter gehen, denn erst dann merkt man, wie wichtig einem dieses buddhistische Paradies geworden ist.

Wer übrigens Interesse hat, einmal eine kleine Auszeit zu nehmen, ist herzlich willkommen. Zum Sein ist alles vorhanden, eine Hütte mit allen Utensilien zum Kochen, Zazen machen, einen Ofen, etc.. Nur das Trinkwasser muss man von einer weiter entfernten Quelle mit dem Auto holen. Immer wieder übernachten einige wenige von uns dort. Ich selber habe auch schon einmal ein Sesshin dort gemacht, was auch ein einzigartiges Erlebnis war.

Vieles könnte ich noch Schreiben über die einzigartige Flora und Fauna des Gebietes sowie Schönheit des Ortes schreiben, nichts habe ich über die Kunst und Kreativität am Ort geschrieben. Wer Interesse hat sich Zenkonyama virtuell anzuschauen, kann das im facebook http://www.facebook.com/pages/ZENKONYAMA/151195918283684. Live anzuschauen oder gar dort eine Weile zu sein, ist noch besser, meldet euch einfach über Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! an mich - Volker Gyoriki Herskamp

Drucken E-Mail

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.