Humor als geschicktes Mittel

Ein Beitrag von Christian Kokon Gaudin zur Tagung „Das heutige Zen-Dojo in der Stadt“ im Temple La Gendronnière, Dezember 2017

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Mein Name ist Christian Kokon Gaudin: Ich wurde 1995 von Roland Yuno Rech als Bodhisattva ordiniert. Vor fast zehn Jahren habe ich die Butsu Zen Zone initiiert, den Stand zur Einführung in der Zen-Meditation auf der Japan Expo in Paris, wo ich „Meister Banane“ wurde.

Ich weiß, dass einige in der Sangha schockiert waren über unserer Anwesenheit bei diesen Events, die scheinbar sehr weit von unserer Praxis entfernt sind. Das ist ein bisschen schade. Aber es ist auch gut so, denn unsere Sangha umfasst viele sehr unterschiedliche Talente, und diese Vielfalt ist ein großer Reichtum.

Es gibt viele Möglichkeiten, die Praxis vorzustellen, in erster Linie alle Aktivitäten, die traditionell mit Zen verbunden sind (Kampfkünste, Ikebana, Teezeremonie, Butotanz, Zen-Geschichten, etc.), aber auch aktuellere Formen, die die heutige Jugend eher ansprechen.

Angesichts unserer kleinen Anzahl von Praktizierenden interessiert mich persönlich, wie ich mehr junge Menschen dazu bringen kann, Zazen zu entdecken, es zu praktizieren und sich in unsere Sangha zu integrieren. Aus diesem Grund möchte ich einen wichtigen, aber nicht sehr hervorgehobenen Aspekt der Lehre und täglichen Praxis von Meister Deshimaru zur Geltung bringen. Wenn die ältesten Schüler, die Sensei kannten, über ihn sprechen, stellen sie ihn als einen sehr starken Zen-Meister dar, aber auch als sehr lustig, provokant und sogar unzüchtig.

Also stellen wir 50 Jahre später die Frage: „Seid ihr lustig genug, liebe Meister?“

Ich denke, dass wir, wie Sensei uns gezeigt hat, jedes Interesse daran haben, mit Humor und allen anderen „geschickten Mitteln“ in unserer Umgebung diese zu anfangs recht strenge Praxis zu bewerben, deren buddhistische Rituale und Formen auf die mit der christlichen Religion verbundenen Dogmen, Zwänge und schlechten Erfahrungen verweisen könnten.

In unserer Zeit, in der Zen und Meditation mehr als „trendy“ sind und die Buddha-Statuen Kruzifixe und Gartenzwerge im Haus des Durchschnittsmenschen ersetzt haben, konnten wir zeigen, dass wir dank des Humors, der in der christlichen Mystik fehlt, aber in der Zen-Lehre der Nicht-Dualität vorhanden ist, nicht das gleiche Verhältnis zu Glauben, Religion und Spiritualität haben wie unsere Eltern und Großeltern.

Außerdem erlebte ich bei den meisten meiner Weggefährten im Dojo und auf Sesshins oft Humor, Selbstironie, gute Laune und sogar herzhaftes Lachen. Als ich nach einigen Jahren der Abwesenheit, in denen ich mich in Japan verliebt hatte, hierher zurückkam, haben meine Freunde aus der Butsu Zen Zone und ich uns ganz natürlich dem japanischen Humor und der Popkultur zugewandt, um die jüngeren Generationen zum Zazen zu bewegen. 

Seit mehr als 25 Jahren sind unsere Jugendlichen Fans von allem, was aus Japan kommt, einschließlich seiner traditionellen Kultur, dank Manga, Videospielen, Animationsfilmen, Mode, Musik und allem, was man J-Pop nennt. Diese jungen Menschen wissen alles über das tägliche Leben der Japaner, und Zen ist in vielen Geschichten präsent, denn die Meister-Schüler-Beziehung ist selbst Bestandteil einer großen Anzahl erfolgreicher Serien wie Dragon Ball oder Naruto.

Meine Freunde und ich, die bereits Fans dieser Popkultur waren, fanden es amüsant und interessant, es als eine clevere Möglichkeit zu nutzen, den französischen Otaku*-Massen das wahre Zen zu präsentieren, denn Frankreich, etymologisch das Land des Buddha, ist auch das zweite Manga-Land nach Japan.

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Unsere künstlerische Leiterin Geneviève Gauckler hat daher zahlreiche Poster erstellt, um die Praxis zu erklären, aber auch um die Festivalbesucher mit den neuen Helden der Jugend zu unterhalten. Wir taten dies in einem mushotoku-Geist großer Freiheit und zögerten nicht, Fotomontagen zu machen, indem wir Sponge Bobs Kopf auf Rolands Haltung oder Homer Simpsons Kopf auf Deshimarus Haltung montierten. Wenn also die Festivalbesucher an dem Stand mit bunten und lustigen Postern an den Wänden vorbeigehen, findet ihr erster Kontakt mit Zen mit einem Lächeln und Humor statt, und es ist leicht, sie einzuladen, auf dem bunten Teppich „einfach nur zu sitzen“, um zu versuchen, ihren Geist zu berühren.

Es gibt noch andere volkstümliche Aspekte dieser Geek-Kultur, die mit der Lehre mitschwingen, wie z.B. die Tatsache, dass man Buddha wird, wenn man seine Haltung einnimmt, weil viele Festivalbesucher Cosplay (Costume player) praktizieren, die Realisierung von sehr aufwendigen Kostümen, mit denen sie sich als ihre Lieblingshelden verkleiden.

Wir selbst können diese fröhliche Karnevalsatmosphäre nutzen, um ein paar Tage inmitten der Menge mit Kolomo, Rakusu oder Kesa zu verbringen. Jeder findet es toll! Ebenso sind die Zen-Klänge und die Rezitation von Sutras auf Japanisch statt in Molières Sprache für diese Generation eine exotische Erfahrung.

Was die Formen des Soto Zen und seine Rituale betrifft, so denke ich einfach, dass wir keine Japaner sind und dass sie sich ganz natürlich mit der Zeit verändern werden.

Und während die Achtsamkeitsmeditation boomt, warum sollten wir unserer Praxis nicht ein wenig Spaß hinzufügen? In Japan, wo Zen am ehesten für Beerdigungszeremonien bekannt ist, stehen in einigen Tempeln Manga-Helden auf den Altären.

Kann unser aufgeklärter Geist und unsere komplizierte und konfliktreiche Beziehung zur Religion uns am Ende nicht dazu bringen, Humor als einen der großen Marker unserer eigenen spirituellen Praxis zu betrachten?

Das ist auf jeden Fall mein Wunsch, und das werde ich auch in Zukunft tun, sowohl beim Sesshin als auch auf der Japan Expo und in meiner Tätigkeit als Cartoonist.

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Christian Kokon Gaudin
aka Meister Banane für die Otaku*
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*: Otaku, der zu Hause bleibt und im weiteren Sinne Fan der Manga- und der japanischen Pop-Kultur ist.

 

 

 

 

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