Die Leerheit

Frage: Können Sie uns von der Leerheit erzählen?

Roland Rech: Wenn ich die Leerheit definieren könnte, wäre es nicht mehr die Leerheit. Es gibt alle Arten von Leerheit. Die Leerheit an sich existiert nicht. Die Leerheit steht immer im Zusammenhang mit etwas, sie existiert nicht unabhängig von den Phänomenen. Die Phänomene sind unbeständig, sie existieren nur in Beziehungen wechselseitiger Abhängigkeit. Da sie keine feste Substanz haben, sagt man, sie seien substanzlos. Wenn wir uns selber beobachten, können wir feststellen, dass wir ohne Ego sind. In uns ist kein substanzielles Ego vorhanden, nichts was wir im Grunde unserer selbst ergreifen und von dem wir sagen könnten: „Das da, das bin ich.“ Es gibt Phänomene, Gedanken, man kann auch über sich selbst Gedanken haben, seine Persönlichkeit betrachten und sich sagen: „Ich bin so oder so.“ Aber das sind mentale Konstruktionen. Hinter all dem gibt es im Grunde keine Substanz. Deshalb ist das Ego Leerheit. Die Phänomene erscheinen auf der Grundlage der Leerheit. Genau dies gilt für absolut alles. Wenn ich zu Dir von „ich“ rede, dann nur weil „Du“ „mir“ gegenüber bist. Wenn Du nicht da mir gegenüber bist, bedeutet „ich“ nichts mehr. „Ich“ existiert nur im Zusammenhang mit einem „du“. Wir sind Beziehungswesen, von den Amöben über die Ameisen, die Menschen bis hin zu den Galaxien. Genau das ist wunderbar!

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