Körper-Geist, Verstand und Psychologie

Frage: Welche Sicht hat deiner Ansicht nach der Buddhismus auf das Unbewusste?

Roland Rech: Eine sehr tiefe Sicht, eine wesentlich tiefere und ältere Sicht als jene Freuds. Es geht darum zu verstehen, dass wir die Erben unseres Karmas sind; nicht nur seit unserer Geburt, sondern seit unendlichen Zeiten. Deshalb ist das Unbewusste aus der Perspektive Buddhas nicht ausschließlich das Unbewusste in Bezug auf unseren Ödipus-Komplex. Es ist das Unbewusste aller Ursachen, die wir in der Vergangenheit herbeigeführt haben, die wie vergrabene Saatkörner  früher oder später ihre Wirkung zeitigen werden. Eine der wichtigen Funktionen von Zazen ist es, diesen Saatkörnern eine Läuterung zu ermöglichen. Dabei tauchen alle unbewussten Ursachen und Bedingungen, Empfindungen und die geheimsten Wünsche unseres Daseins an der Oberfläche auf. Wir erhellen sie mit dem Hishiryo-Bewusstsein von Zazen, das die Dinge so sieht, wie sie sind.

F.:  Und der Traum? Wie sieht der Buddhismus den Traum, was denkst du darüber?

R.:  Träume sind eine besondere Form der Täuschung. Man könnte sogar sagen, sie sind das Musterbeispiel einer Täuschung. Im Leben sieht man häufig die Wirklichkeit durch die Brille seiner Wünsche; wir leben wie in einem Traum. Man hält sich für etwas – dies ist der grundlegende Traum, die allergrößte Täuschung. In der Praxis des Buddha-Weges betrachtet man all diese Erscheinungen als Träume. Erweckung bedeutet deshalb gerade, diese Träume zu verlassen.

 

Tags: Roland Yuno Rech

Drucken E-Mail

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok Ablehnen