Auszug aus dem Buch "L'illumination silencieuse" (Die stille Erleuchtung)

 von Roland Yuno Rech

Endlich frei

'Vor einigen Augenblicken haben wir die Kirchenglocken gehört. Wo ist der Ton hin? Von neuem läuten die Glocken. Wo ist die Stille hin?'

illumination  silencieuseLast Euch während Zazen nicht von Euren Gedanken ablenken und beachtet sie vor allem nicht. Vor einigen Augenblicken haben wir die Kirchenglocken gehört. Wo ist der Ton hin? Von neuem läuten die Glocken. Wo ist die Stille hin? Meister Wanshi empfiehlt uns: „Wenn man so das Erschienen und Verschwinden der Phänomene beobachtet, lässt man sich nicht von seinen Anhaftungen anstecken. Entblößt diesen Körper, lasst ihn fallen, geht an der Klippe noch einen Schritt weiter.“ Zögert nicht, dahin vorzudringen, wo es keinen Halt gibt, zögert nicht, die Wirklichkeit, in der nichts beständig ist, zu berühren.

Meister Wanshi besteht auf seinen Empfehlungen: „Versteht Eure Sinneswahrnehmungen und ihre Objekte, bis sie vollständig erschöpft sind. Bis Ihr vertraut verwirklicht, dass die Glocken läuten, dass es einen Hall im Hof gibt, dass unsere Ohren den Ton hören, aber dass all diese Töne völlig ungreifbar sind und nirgendwo verweilen. Genau wie unsere Gedanken und geistigen Gebilde nichts sind als Funken, die in der Dunkelheit aufblitzen. Wenn wir so praktizieren, verwirklichen wir einen Geist, der auf nichts stehen bleibt, der klar wahrnimmt, aber nichts behält und immer wieder seine Frische, seine Verfügbarkeit wiederfindet.

Wanshi fährt fort: „Das einsame Licht ist die einzige Erleuchtung, die –gründlich durchdrungen– das Wunder bewahrt.“ In Zazen erhellt das Licht des Bewusstseins alles, aber ohne irgend etwas festzuhalten. Einsam bedeutet jenseits jeder Anhaftung an welches Objekt auch immer. Es ist sogar jenseits der Einsamkeit, jenseits von Fülle oder Mangel. Und diese Erfahrung schützt das, was es an Wunderbarem im Dasein gibt. Deshalb ist es nicht nötig, weit weg zu suchen, sich in alle möglichen Vorstellungen zu stürzen. Es genügt einfach, diese Erfahrung zu machen, indem wir vollständig bis ans Ende jeder Ausatmung gehen.

Wanshi schließt: „Wie konntet Ihr jemals getrennt sein von all den sich ändernden Erscheinungen? Jetzt könnt Ihr eintreten zwischen alle verschiedenen Wesen und auf dem WEG reisen wie ein Vogel ohne Hindernis, endlich frei.“

 

Tags: Roland Yuno Rech

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