Eko der Matriarchinnen des Zen

François Dosan Loiseau, Schüler von Meister Taisen Deshimaru

Jeder Tag in den Tempeln, in den Sesshins, singen wir die Liste der Zen-Patriarchen, als Zeichen des Respekts. Auch als Zeichen der Dankbarkeit, denn durch ihre Praxis wurde der Weg bis zu uns weitergegeben. Dieses Singen der Patriarchen bezeichnet auch unsere Zugehörigkeit zur Buddha-Familie – es ist gewissermaßen unser Stammbaum.

Außer, dass bei einem Stammbaum die Namen der Väter und der Mütter aufgeführt sind. Nun werden aber die Frauen, welche in der Weitergabe des Buddha-Dharma bis zu uns einen ebenso wichtigen Platz einnehmen wie die Männer, in diesem Baum nicht genannt und die Frauen daiosho haben diese Geschichte ebenso stark geprägt.

Daher drücken wir ebenfalls unsere Dankbarkeit und unseren Respekt aus, indem wir die Liste ihrer Namen singen. Dadurch wird eine wichtige Lücke in dieser langen Übertragungs-Geschichte geschlossen. Die Namen der Matriarchinnen zu singen, manifestiert den "Geist der Großmutter“, welcher durch Dogen im "Tenzo Kyokun" zur Sprache gebracht wird, in deren Armen sich das verletze Kind anvertraut, tief eingebettet in unsere flüchtigen und kranken Skandha. Die Namen der Matriarchinnen zu singen, heißt, sich der Undifferenziertheit hinzugeben, welche unsere Widersprüche mit dem Auge des Wohlwollens und des Mitgefühls sieht.

Die Namen der Matriarchinnen zu singen, bedeutet, öffentlich den Platz der Frauen in der Weitergabe des Weges vorzutragen, Generation für Generation, wie die Eltern das Leben von Generation zu Generation weitergeben.

matriarches

Schon in Indien, in der ersten Sangha des Buddha, noch zu Lebzeiten Shakyamunis, haben die Frauen den Dharma gelehrt, manche zahlreichen Schülern. Später hat das Mahayana die völlige Gleichstellung der Frauen und der Männer im Bereich der Verwirklichung des Buddha-Dharma bestätigt.

In China gibt es eine Frau unter jenen, denen das Shiho von Bodhidharma übertragen wurde. Anschließend zählt man 16 erwachte Frauen während der Song-Dynastie, die berühmte Äbtissinnen von Mönchs- und Frauenklöster waren, die auch Männer, welche deren Weisheit und Verwirklichung suchten, unterrichteten. In Japan hat Meister Dogen ebenfalls die Rolle der Frauen hervorgehoben. Im "Shobogenzo Raihai Tokuzi", sagt er: " Weshalb sollten Männer als ranghöher angesehen werden? Der Raum ist der Raum, die vier Elemente sind die vier Elemente, die fünf Aggregate sind die fünf Aggregate, und die Frauen sind gleichermaßen so." Nach ihm hatte Keizan, der stark die Gleichstellung der Frauen und der Männer in der Zen Praxis verfocht, eine Dharma-Erbin.

Allerdings muss man ebenfalls die Tatsache berücksichtigen, dass eine große Ungerechtigkeit gegenüber den Frauen in der Geschichte der Übertragung begangen, alle Linien und Traditionen durcheinandergebracht wurden und diese Situation hier und dort fortbesteht... Eine Frau zu sein, wurde oft als eine Verfluchung wahrgenommen, der weibliche Körper ist, nach einigen klassischen buddhistischen Texten, ungeeignet, um die Befreiung zu erreichen. In manchen buddhistischen Kulturen wird die Frau als schlüpfrig, verführerisch, mit geringeren geistigen Fähigkeiten und unrein angesehen... Ein Schmerzliches Echo von fundamentalistischen und aufklärungsfeindlichen Thesen, die aus anderen Religionen stammen!

Der Platz der Frau in der Weitergabe und die Praxis des Buddha-Dharma appelliert an unser Gewissen, Männer und Frauen. Wenn nur von Lehrern, Äbten und Patriarchen gesprochen wird, könnte man am Ende glauben, dass die Legitimation der Dharma-Weitergabe ausschließlich männlich ist. Und was das Zen betrifft, könnte man glauben, dass es sich um eine Männersache handelt, mit dem trügerischen Bild des Kriegers des Weges, welcher seine Knochen kaputt macht und sein Rückenmark in der Praxis des Gyoji zerquetscht, im Hintergrund.

Nun trägt aber die Allgegenwart der Frauen in den Sanghas, in den Dojos und den Tempeln dazu bei, dieses Bild des heroischen männlichen Vorbildes, welches oft durch die Unterdrückung der Emotionen und zarten Gefühle unserer Menschlichkeit zum Ausdruck kommt, zu mildern.

Wie viele Männer und Frauen haben sich wegen dieses irrigen Bildes psychische und körperliche Schäden angetan?

Die menschlichen Emotionen und Gefühle sind in unsere Praxis einbegriffen, was ihren Reichtum ausmacht. Drückt die sanfte Festigkeit unserer Zazen-Haltung nicht das Gleichgewicht der weiblichen und männlichen Energien, die am Werke sind, aus? Gut sichtbar, wenn die Maske die geistigen Vorstellungen fällt.

Dennoch sollte man nicht denken, dass das Singen einer Liste von Matriarchinnen ein Akt der westlichen Moderne sei, die mit der Tradition eines östlichen "Macho"- Buddhismus zu brechen sucht. Wie wir vorher gesehen haben, haben Dogen, Keizan und viele andere in Indien, in China und in Japan diese schon vor lange Zeit anerkannt.

Die Geschichte dieser vorbildlichen Frauen zu erzählen, wäre für diesen Artikel zu lang. Alle haben die für die Praxis des Buddha-Weges erforderlichen Tugenden, die man die 6 Paramita nennt, in einem sehr hohen Maß verwirklicht: die Gabe, die Anstrengung, die Geduld, die Ethik, die Konzentration und die Weisheit. Außerdem mussten sie sich neben den Schwierigkeiten, welche der richtigen Praxis des Buddha-Weges innewohnen, auch noch der zusätzlichen Schwierigkeit stellen, die durch ihren Status als Frauen in Gesellschaften, in welche die Frauen eine untergegebene Rolle hatten, hervorgerufen wurden.

Trotzdem kann man unter all diesen Nonnen und Laiinnen unterscheiden: Mahapajapati Gotami, Gründerin der Sangha des bikkhunis – Patacara Pancasata, grosse Lehrerin des Vinaya – Sanghamitta, welche den indischen Nonnenorden nach Sri Lanka brachte – Dhammadinna, grosse Lehrerin des Buddhadharma und die das Shiho an zahlreiche Schüler weitergab – Utpalavarna, welche die Heilskraft des Kesa symbolisiert – Jingjian, erste in China bekannte buddhistische Nonne – Zongchi (Jap. Soji Myoren), die das Shiho von Bodhidharma erhielt – Moshan Liaoran (jap. Matsuzan Ryonen), erste Dharma-Erbin in der Weitergabe des Chan – Miaohsin (jap. Myoshin), von Dogen im « Shobogenzo Raihai Tokuzui » zitiert – Daoshen, Erbin von Fuyo Dokai, der dazu beitrug, die Soto-Linie in China wieder aufleben zu lassen – Zenshin, erste Person (Mann oder Frau) aus Japan, die die buddhistische Ordination erhalten hat – Komyo, die zur Errichtung eines nationalen Systems von buddhistischen Klöstern zur Ausbildung von Frauen beigetragen hat – Tachibana Kachiko, die als erste Zenpraktizierende in Japan angesehen wird – Egi, Dharma-Schwester von Koun Ejo, dem sie in der Übergangszeit sehr geholfen hat – Mugai Nyodai, erste Zen-Meisterin Japans – Myosho Enkan, Äbtissin des ersten Soto-Tempels für Frauen – Konto Ekyu, erste Frau, die, von Keizan, das komplette Shiho im Soto Zen erhalten hat.

All dies hat mich dazu gebracht, nachzuforschen und eine Liste von Zen-Matriarchinnen vorzuschlagen, um diese jeden zweiten Tag im Wechsel mit der Liste der Patriarchen zu singen.

Um dies zu tun, habe ich die Listen von Matriarchinnen, die bereits durch die nordamerikanischen Sanghas verwendet werden, erforscht. Diese Sanghas haben seit gut fünfzehn Jahren gründliche Nachforschungen angestellt. Ich habe außerdem Artikel von Miriam Levering, Linda Lehrhaupt, Jade Reidy, Yoko Orimo, Alan Williams, Bernard Faure, Judy Roitman, William Bodiford und Grace Schireson zu Rate gezogen, die viel zu dieser Fragestellung gearbeitet haben.

Schließlich habe ich eine Liste von Matriarchinnen zusammengestellt, welche die folgenden Kriterien berücksichtigt:

- Eine Liste von 54 Matriarchinnen, um sie derjenigen der Patriarchen anzugleichen.

- Beibehaltung der Liste der « Kako Shichibutsu » (6 Buddhas und Shakyamuni), denn ihr vollständiges Erwachen stellt sie jenseits der Dualität Mann/Frau.

- Die in den amerikanischen Sanghas meist zitierten Namen wurden berücksichtigt, wobei der Liste der "Soto Zen Buddhist Association" den Vorzug geben wurde, die Gegenstand eines Konsens zwischen den Sanghas war.

- Die Liste hört bei den Zeitgenossinnen von Keizan Jokin auf, wie wir es für die Patriarchen machen.

- Die Namen der für ihr Erwachen, ihre Weisheit, ihr Mitgefühl, ihr Wohlwollen sowie für ihre Rolle bei der Weitergabe des Dharma berühmten Frauen wurden bevorzugt.

- Wann immer möglich wird die japanische Transkription der chinesischen Namen verwendet.

Davon ausgehend habe ich die folgende Liste vorgeschlagen:

Bibashi Butsu Daiosho
Shiki Butsu Daiosho 
Bishafu Butsu Daiosho
Kuruson Butsu Daiosho
Kunagonmuni Butsu Daiosho
Shakamuni Butsu Daiosho
Mahamaya Daiosho
Ratnavati Daiosho
Srimala Daiosho
Prabhuta Daiosho
Mahapajapati Gotami Daiosho
Khema Daiosho
Sundarinanda Daiosho
Patacara Pancasata Daiosho
Bhadda Kundalakesa Daiosho
Sumana Daiosho
Kisagotami Daiosho
Dhamma Daiosho
Uppalavanna Daiosho
Bhadda Kaccana Daiosho
Soma Daiosho
Baddha Kapilani Daiosho
Singalaka Mata Daiosho
Samavati Daiosho
Sanghamitta Daiosho
Prasannasilla Daiosho
Dhammadinna Daiosho
Sukha Daiosho
Subha Daiosho
Utpalavarna Daiosho
Jingjian Daiosho
Soji Myoren Daiosho

Shiji Daiosho
Lingzhao Daiosho
Ling Xingpo Daiosho
Matsuzan Ryonen Daiosho
Ryu Tetsuma Daiosho
Myoshin Daiosho
Daoshen Daiosho
Huiguang Daiosho
Huiwen Daiosho
Fadeng Daiosho
Yu Daopo Daiosho
Mujaku Daiosho
Miaozong Daiosho
Qinguo Daiosho
Zhidong Daiosho
Wenzhao Daiosho
Zenshin Daiosho
Komyo Daiosho
Tachibana Kachiko Daiosho
Ryonen Daiosho
Shogaku Daiosho
Egi Daiosho
Mugai Nyodai Daiosho
Kakuzan Shido Daiosho
Ekan Daishi Daiosho
Mokufu Sonin Daiosho
Myosho Enkan Daiosho
Konto Ekyu Daiosho

Sangoku dento rekidai soshi
Narabini Somon Kodo Daiosho
Mokudo Taisen Daiosho

Wer sich eine ausführlichere Studie des Lebens dieser Frauen wünscht, kann mit mir unter der folgenden Adresse Kontakt aufnehmen: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

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